Abenteuer in Berlin und erste Zweifel an meiner Weltreise

Meine Lieben,

wie ich ja schon im Bericht über die DNX  geschrieben habe, war ich Anfang Oktober in meiner derzeitigen Lieblingsstadt Berlin. Doch dieses mal sollte sie sich mir von einer nicht so schönen Seite zeigen.

Alles begann am ersten Abend. Nachdem ich den Nachmittag in der schon herbstlichen Sonne an der Spree genossen hatte,wollte ich mir abends das Champions League Spiel meines BVB gegen Anderlecht nicht entgehen lassen.  Also fix im Netz eine Dortmund-Fankneipe in Berlin rausgesucht und los gings. Meine Wahl fiel auf die Milchbar, da diese lediglich zwei U-Bahn-Stationen von meinem Hostel entfernt ist.

Ich war gerade aus der U-Bahn-Station raus, da stürmten etliche Polizeiautos herbei und unzählige Polizisten sprangen aus den Autos um eine Gruppe farbiger Männer zu umkreisen und wohl festzunehmen. Ich hab mich sowas von erschrocken. Doch dies sollte erst der Anfang sein…

Da das Spiel gegen die belgische Mannschaft aus Anderlecht auch im ZDF und nicht nur bei Sky übertragen wurde, war die Kneipe nicht so voll wie erwartet. Aber die Stimmung war, auch wegen des sehr spannenden Spiels und dem 3:0 Sieg des BVB, gut. Zufrieden machte ich mich also auf den Weg zurück ins Hostel und fiel hundemüde ins Bett.

Am nächsten Morgen nutzte ich das kostenlose Yoga-Angebot des Hostels. Dies kannte ich schon von meinem letzten Aufenthalt in diesem Hostel zu Beginn des Jahres.

Anschließend machte ich mich auf den Weg zur vietnamesischen Botschaft um mein Visum zu beantragen. Unterwegs suchte ich jedoch verzweifelt nach einem Farbkopierer um meinen Reisepass zu kopieren. Leider war diese Suche vergeblich. Was nun? Ich wollte keinesfalls meinen Reisepass bei der Botschaft abgeben ohne eine Kopie zu haben, da ich seit einiger Zeit auch keinen Personalausweis mehr besitze. Bei meiner Ummeldung habe ich jedoch erfahren, dass ich wenn ich einen Reisepass besitze, keinen Personalausweis brauche und mir somit das Geld dafür sparen kann. So ganz ohne Ausweisdokument wollte ich aber auch nicht die nächsten zwei Wochen – so lange sollte es dauern bis das Visum genehmigt ist und sie mir meinen Pass zurückschicken – unterwegs sein.

Also wird es wohl die erste Planänderung bei meiner Reise geben. Dann geht es eben nicht nach Vietnam. Vielleicht bleibe ich die kompletten sechs Wochen meines Stops in Südostasien auf Bali und den Gili-Inseln oder ich fliege noch auf die Philippinen oder schau mir in Kambodscha mal Angkor Wat an…mal sehen. Ich will mich auf meiner Reise ja auch etwas treiben lassen und nicht alles im Voraus schon total durchplanen.

Den Nachmittag wollte dich dazu nutzen das Tempelhofer Feld und das Flughafengebäude bei einer Führung zu erkundigen. Auf dem Weg dorthin passierten mir in der S-Bahn folgende Sachen: Zunächst drehte ein Typ, ich nehme an er war auf Drogen, total durch und versuchte in der Bahn ein Fenster zu zerschlagen. Ich war froh, dass ich an der nächsten Station umsteigen musste. Doch auch in der nächsten S-Bahn sollte es nicht entspannter werden. Da die Bahn sehr voll war, stellte ich mich in den Gang in die Nähe der Tür. Kurz vor Abfahrt wurde ich dann Zeugin eines Taschendiebstahls. Dabei klaute ein Typ, er war kurz vor Abfahrt eingestiegen, einer Asiatin ihr Handy aus ihrer Handtasche. Er passte dabei die Abfahrt der S-Bahn so genau ab, dass er gerade aus der Bahn wieder heraus war als die Bahn abfuhr und ihm somit keiner der Zeugen hinterher rennen konnte. Ich war schockiert!

Da höre ich seit Wochen von vielen denen ich von meiner geplanten Reise erzähle, dass so eine Weltreise als Frau und dann noch ganz alleine sehr gefährlich ist und dann passiert mir sowas in meinem geliebten Berlin. Also kann ich nur feststellen, es kann einem überall passieren, dass man bestohlen wird und einem seltsame Menschen begegnen. Man muss also überall vorsichtig sein. Diesbezüglich war ich also zunächst in meinen Reiseplänen bestärkt.

Am nächsten Abend kamen mir jedoch ernste Zweifel. Wie kam es dazu? Nun ich war gut gelaunt vom Workshoptag in meinem Hostel zurück und wollte, da es doch etwas später war direkt ins Bett um am nächsten Tag für die Konferenz fit zu sein. Leider musste ich jedoch feststellen, dass eine meiner beiden australischen Hostelzimmer-Mitbewohnerinnen so betrunken war, dass sie sich lautstark im Badezimmer übergab. Und da war sie wieder. Meine Emetophobie – meine Angst vor Erbrechen jeglicher Art. Und was tat ich? Ich lag in meinem Bett, ließ das Monster der Angst größer und größer werden und malte mir aus wie dreckig das Badezimmer sein würde. Dies führte zu einer ganzen Gedankenkette an dessen Ende große Zweifel an meiner Reise standen. Ich war das erste Mal am Rand meiner Komfortzone angekommen. Dabei ist es doch auch ein Ziel meiner Reise die Komfortzone zu durchbrechen.

Was wenn es in jedem Hostel so sein würde? Sollte ich nicht doch besser in Hotels übernachten? Das wird aber doch viel zu teuer. Und was ist dann mit dem Backpacker-Feeling? Bin ich ein Weichei? Vielleicht sollte ich doch lieber daheim bleiben. Dank aufbauender Nachrichten von Freunden und klaren Gedanken am nächsten Morgen kann ich im Nachhinein kann ich sagen: So ein Bullshit!!! Natürlich werde ich deswegen NICHT meine Reise canceln. Bei Tageslicht betrachtet sah die Sache nämlich schon wieder ganz anders aus. So war das Badezimmer war weder dreckig noch hat es gestunken. Meine Angst war also  – wie schon so oft – völlig unberechtigt.

Darüber hinaus werde ich in einer ähnlich Situation an einfach (auch wenn es nicht einfach sein sollte) an NIPSILD (nicht in Problemen, sondern in Lösungen denken).

Außerdem hat es mir die Erkenntnis gebracht, dass ich bei meiner Hostelsuche unterwegs verstärkt darauf achten werde mir Hostels jenseits der Partyareas suchen und mir zumindest dann und wann mal ein Einzelzimmer gönnen.

A propos Partyarea..nach der Kinopremiere am Donnerstag Abend fühlte ich mich in der sog. Party-Tram auf dem Weg zurück zum Hostel doch sehr an die Folge von How I Met your Mother erinnert, in welcher Barney und Ted versuchen in der Party-Metro Mädels aufzureissen 🙂

Neben diesen kleinen Katastrophen hat Berlin jedoch alles dafür getan, dass es (noch) meine absolute Lieblingsstadt ist. Die Weite des Tempelhofer Feldes ist einmalig und auch die Führung durch das leerstehende Flughafengebäude kann ich nur empfehlen. Leider hab ich es noch nicht geschafft die Fotos und Videos hiervon zu bearbeiten. Ich werde sie aber sobald ich dazu komme ergänzen.

Bis dahin lasst es euch gut gehen und lasst euch nicht von euren Ängsten lähmen.

Liebe Grüße

Martina

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