Über den Sinn des Ganzen oder Chaos im Kopf

Meine Lieben,

was war das für eine wahnsinnig schöne Fahrt hierher in die Hopewell Lodge. Von Nelson führte der Weg zunächst bis Havelock. Danach ging es für knapp 2,5 Stunden an den Küsten der Marlborough Sounds entlang zur Hopewell Lodge. Obwohl der Milford Sound von vielen Touristen als das Highlight der Südinsel bezeichnet wird, gefällt mir der Marlborough Sound eindeutig besser.

Marlborough Sound3 Marlborough Sound4 Marlborough Sound

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Dort angekommen, kann ich verstehen warum dieses Hostel in den letzten Jahren immer sehr gut bewertet wurde. Es ist mehr als herrlich hier. Die Anlage gleicht schon mehr einem Hotel/Resort als einem Hostel.

Es gibt einen Strand, einen Treppenzugang ins Wasser, einen 40 Grad warmen Whirlpool (welchen man Tag und Nacht nutzen kann), Kajaks, Fahrräder, Fischerboote, Wanderrouten und am wichtigsten für mich gerade: Ruhe und ganz viel Natur!!!

Was bin ich froh, dass ich ganze 5 Nächte hier gebucht habe 🙂

Das gute Wetter nutzte ich direkt um eine Runde schnorcheln zu gehen. Leider war die Sicht jedoch schlechter als erwartet und ausser ein paar kleinen Fischen und einigen Quallen konnte ich nichts anderes entdecken.

Nach einer abendlichen Stärkung gönnte ich mir ein romantisches Date mit mir selbst im 40 Grad warmen Whirlpool unterm Sternenhimmel. Es war einfach unbeschreiblich schön. Erfreulicher- und erstaunlicherweise hatte ich den Pool für mich alleine 🙂 Ich genoss den Blick auf die unzähligen Sterne und fühlte mich einerseits wie eine Prinzessin, andererseits aber auch im Anblick der unendlichen Weiten des Universums sehr klein und unbedeutend. Natürlich musste ich bei dieser Gelegenheit auch mal wieder an meine lieben Verstorbenen denken…Ach irgendwo dort oben wird es ihnen wohl gut gehen und sie werden von dort oben auf mich Acht geben.

In diesem Moment ergab aufeinmal alles einen Sinn:
Wäre ich nicht nach Methven gefahren, hätte ich nicht den deutschen Bibliothekar kennengelernt, welcher mich auf die Hopewell Lodge aufmerksam gemacht hat. Und wäre ich meinem ursprünglichem Reiseplan treu geblieben, lediglich 7 Wochen hier in Neuseeland zu verbringen, wäre ich nun auf der Nordinsel und müsste mich vor dem dort am Montag ankommenden Zyklon Pam in Sicherheit bringen.

Es fühlte sich gerade einfach richtig und gut an. Ich ruhte in mir selbst, blickte gelassen in die Zukunft, fühlte mich mir meiner selbst sicher und hatte seit langer Zeit mal wieder Vertrauen in mich selbst 🙂

Und noch dazu sah ich insgesamt sieben!!! Sternschnuppen 🙂 Mal sehen welche Wünsche so in Erfüllung gehen 😉

Doch leider brachte mich eine Mail am nächsten Tag wieder ziemlich durcheinander. Als ich nach einer Runde schwimmen vor dem Frühstück beim Frühstück meine Mails checkte, musste ich leider erfahren, dass mir zum 1.7 mein WG-Zimmer gekündigt wird 🙁 Puh…ich fühlte mich im ersten Augenblick als würde mir der Boden unter den Füßen weggerissen. Was sollte ich nun machen? Wenn ich Anfang Juni wieder in Münster sein werde, habe ich noch drei Wochen um alles zu regeln. Hmm..Da war auch leider wieder die Trauer darüber da, dass ich kein Elternhaus mehr habe.
Mir schossen die wildesten Gedanken und Pläne durch den Kopf. Um dem ganzen zu entfliehen hab ich mich mit einem Thriller aus dem Bücherregal des Hostels erstmal in eine Hängematte verzogen und mich abgelenkt.

Hängematten Hopewell

Da ich erst Anfang Juni wieder in Münster sein werde, habe ich dann also noch drei Wochen um alles zu organisieren. Echt blöd, also direkt wieder Stress wenn ich wieder da bin. Aber irgendwie war es ja auch (leider) klar, denn es war ja schon immer so gewesen, dass wenn es mir gerade gut geht, der nächste Hammer um die Ecke kommt. Puh…ich war im ersten Moment echt ratlos was ich tun sollte. Meinem ersten Impuls meine Reise abzubrechen und alles direkt nun zu organisieren, bin ich glücklicherweise nicht gefolgt.
Ich musste mich erstmal ablenken und habe mich in einen Thriller geflüchtet. Ich war wirklich ärgerlich, wütend, enttäuscht, traurig und ratlos. Außerdem hab ich ehrlich gesagt ziemlich die Schnauze voll davon für alles und Jeden immer Verständnis haben zu müssen.

Glücklicherweise hat der Thriller mich gut abgelenkt und am Abend beim vom Hostel angebotenen kostenlosen Muschelessen sah die Welt schon wieder netter aus 🙂

Muschelessen_Fotor Muschelessen2_Fotor

Die spätere Nachtwanderung zu den Glühwürmchen mit den anderen im Hostel anwesenden Deutschen (2 Mädels ein Kerl), einem Holländer und einem Amerikaner brachte mich dann vollends auf andere Gedanken. Und ich kam dabei sogar zu einem ungeplanten Lachanfall: Ein deutsches Mädel erschrak plötzlich, dass sie das Grunzen eines Wildschweins im Gebüsch bemerkte hatte und sprang panisch zur Zeit. Daraufhin wurden sowohl ich, als auch das dritte deutsche Mädel von Angst gepackt. Kreischend hielten wir uns aneinander fest. Daraufhin fingen die Jungs plötzlich an zu lachen. Wir Mädels waren total perplex. Als uns dann aber einer der Kerle erklärte, dass nicht etwa ein Wildschwein gegrunzt sondern der Holländer schlicht und einfach gefurzt hatte, konnten auch wir uns vor Lachen nicht mehr halten 😀

Am nächsten Tag ging mir verständlicherweise die Sache mit dem Zimmer und meiner neu zu regelnden Wohnsituation auch noch mehrmals durch den Kopf. Aber ich konnte mich mit schwimmen, Kajak fahren gut ablenken.

Heute (Montag, 16. März 2015) nutze ich nun das leider regnerische Wetter um meinen Blog zu aktualisieren, Mails zu beantworten und die verschiedenen Möglichkeiten, die mir im Hinblick auf meine Wohnsituation bleiben zu überdenken.

Momentan bieten sich mir folgende Möglichkeiten:

1. Zimmer/Wohnung/Zwischenmiete in Münster
2. Zimmer/Wohnung/Zwischenmiete in Dortmund und Studium fortsetzen
3. Zimmer/Wohnung in Berlin
4. größere Lagerbox mieten und Sachen einlagern und weiterreisen

Da mir das Reisen soo gut gefällt, tendiere ich sehr zu Variante Nr. 4. Dabei bin ich mir jedoch noch nicht ganz so sicher wie ich es mit meinem Wohnsitz handhaben werde. Am liebsten würde ich mich ja aus Deutschland abmelden. Das hätte aber den Nachteil, dass ich meinen Studentenstatus verlieren würde. Hmm…ich werde wohl noch etwas länger darüber nachdenken. Aber ich hab ja auch noch etwas Zeit. Und mit Sicherheit werde ich NICHT pausenlos darüber nachdenken, denn dafür ist mir die Zeit in diesem schönen Land hier zu wertvoll!

Liebe Grüße

Martina

PS.: Ein Satz aus dem Buch „Der Mann mit dem Fagott“ (Die Biografie des leider im Dezember vergangenen Jahres verstorbenen Udo Jürgens) trifft meine Gefühle derzeit total gut: „Nirgends zu Hause und doch ganz bei mir selbst.“ Echt witzig, dass ich gerade jetzt auf diesen Satz gestoßen bin 😉

Der Blick aus dem Spa-Pool hier lädt auch bei Tag zum Träumen ein:

Ausblick Pool Hopewell

 

 

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